Dreigliederung des Sozialen Organismus

Die soziale Dreigliederung beschreibt die Grundstruktur einer Gesellschaft, in der die Koordination der gesamtgesellschaftlichen Lebensprozesse nicht zentral durch den Staat oder eine Führungselite erfolgt, sondern in der drei selbst verwaltete und relativ autonome Subsysteme sich gegenseitig die Waage halten.
Die drei Subsysteme oder auch Hauptbereiche der Gesellschaft sind:

  1. das Geistesleben, das Bildung, Wissenschaft, Religion und Kultur umfasst, sowie die Zusammenarbeit der Menschen (verstanden als Kreativitätsfaktor, etwa die Kultur der Entscheidungsprozesse oder das Betriebsklima betreffend). Als Produktionsfaktor ist die Arbeit dem Wirtschaftsleben zuzuordnen.
  2. das Rechtsleben, das Gesetze, Regeln und demokratische Vereinbarungen der Gesellschaft umfasst.
  3. das Wirtschaftsleben, das die Produktion, den Handel und Konsum von Waren und Dienstleistungen beinhaltet.

Sie werden als autonom und gleichrangig, aber unterschiedlich in ihrem Wesen beschrieben. Jedem Hauptbereich wird ein Ideal der Französischen Revolution als leitendes Prinzip zugeordnet:

  • die Freiheit dem Geistesleben,
  • die Gleichheit dem Rechtsleben,
  • die Brüderlichkeit dem Wirtschaftsleben.

Die anzustrebende funktionale Gliederung der Gesellschaft beruht auf einer durch Empirie errungenen Erkenntnis von den notwendigen Lebensbedingungen dieser drei gesellschaftlichen Bereiche. Erst in ihrer durchgreifenden funktionalen Trennung, ohne dass ein Gebiet das andere in unberechtigter Weise dominiert und dadurch zu sozialen Komplikationen führt, können sie ihre eigenen Kräfte und Entwicklungsbedürfnisse voll entfalten. Den Nationalstaat, der sich in einer nicht mehr zeitgemäßen Weise auf einen Volkszusammenhang beruft, gilt es schrittweise zugunsten einer funktionalen Gliederung und einer Selbstverwaltung der verschiedenen gesellschaftlichen Bereiche zu überwinden. An die Stelle eines zentralistisch verwalteten Einheitsgebildes tritt eine freie und solidarische, horizontal wie vertikal gegliederte Rechtsgemeinschaft.(1)

Mit diesem ordnungspolitischen Konzept skizzierte Rudolf Steiner eine Sozialordnung, von der er annahm, „dass in ihr Freiheit und Solidarität gleichermaßen zu verwirklichen sind und der Prozess fortschreitender Emanzipation nicht nur nicht behindert, sondern sogar positiv unterstützt wird.„(2)Den Begriff des sozialen Organismus will Steiner nicht als Analogieschema zu natürlichen Organismen verstanden wissen. Diesen, in den Sozialwissenschaften seiner Zeit nicht ungebräuchlichen Begriff verwendet er, weil er ihm am geeignetsten erscheint, den in fortwährender dynamischer Veränderung befindlichen Prozessen der sozialen Sphäre gerecht zu werden. Um diese komplexen Vorgänge realistisch zu erfassen, bedarf es nach Steiners Ansicht eines Übergangs von einer statisch-abstrakten zu einer lebendig-beweglichen, will heißen einer ‚organischen‘ Betrachtungsweise.(3) 

Im Zusammenhang des Ersten Weltkrieg, gegen Ende des Jahres 1917, hielt Rudolf Steiner Kontakt mit den führenden Persönlichkeiten auf politischem und kulturellem Gebiet Mitteleuropas und erläuterte seine Ideen, um an einer möglichen Lösung für die gegenwärtigen sozialen Konflikte zu arbeiten. Doch gerade die Dynamik des Krieges ließen Steiners Ideen nicht gedeihen. Am Ende des Krieges taucht dieser Impuls wieder auf, aber nun mit neuer Kraft. Zu Beginn des Jahres 1919 wurde „Der Aufruf an das deutsche Volk und die zivilisierte Welt“ in den wichtigsten Zeitungen Deutschlands, der Schweiz und Österreichs veröffentlicht. Dieser Aufruf hatte mehr als 250 Unterzeichner, Menschen, die aus der kulturellen und wirtschaftlichen Welt anerkannt waren, und obwohl er nicht den erwarteten Erfolg hatte, inspirierte er verschiedene Initiativen, die mit dem sozialen Wandel verbunden waren, wie die Waldorfpädagogik, die Camphill-Bewegung, das ethische Bankwesen und mehr.

Literaturverweise:

  1. Steiner, Soziale Zukunft, Dornach 1981, S. 151ff.
  2. Luttermann, J.:Dreigliederung des sozialen Organismus: Grundlinien der Rechts- und Soziallehre Rudolf Steiners, Frankfurt/M.:Lang, 1990 (Europäische Hochschulschriften: Reihe 31, Politikwissenschaft; Bd. 162) Zugl.: Göttingen, Univ., Diss., 1989, Vorwort I
  3. a.a.O., S. 7 u.155.

Geistesleben

Das Geistes- bzw. Kulturleben ist der Bereich der Freiheit, in dem Fähigkeiten entfaltet werden sollen um die Gesellschaft als Ganzes zu bereichern und zu entwickeln. Es ist der Bereich der Bildung, Kunst, Wissenschaft und Religion.

#freiheit #denken #spiritualität #kunst

Rechtsleben

Im Rechtsleben gilt das Prinzip der Gleichheit, wo unabhängig vom sozioökonomischen Status die gleiche Rechte für alle Menschen gelten. In diesem Bereich verankern wir die Beziehung zwischen den Menschen als gleichberechtigte Individuen.

#gleichheit #fühlen #empathie #Menschen

Wirtschaftsleben

Das Wirtschaftsleben beschreibt die Verwandlung der naturgegebenen Rohstoffe in Waren, die menschlichen Bedürfnissen dienen. Das Prinzip, welches das Wirtschaftsleben regelt, ist die Solidarität: Die Bedürfnisse der anderen werden durch meine Arbeit gedeckt, so wie meine Bedürfnisse durch die Arbeit der anderen gedeckt werden.

#solidarität #tun #wollen #kooperation

Im Zusammenhang des Ersten Weltkrieg, gegen Ende des Jahres 1917, hielt Rudolf Steiner Kontakt mit den führenden Persönlichkeiten auf politischem und kulturellem Gebiet Mitteleuropas und erläuterte seine Ideen, um an einer möglichen Lösung für die gegenwärtigen sozialen Konflikte zu arbeiten. Doch gerade die Dynamik des Krieges ließen Steiners Ideen nicht gedeihen. Am Ende des Krieges taucht dieser Impuls wieder auf, aber nun mit neuer Kraft. Zu Beginn des Jahres 1919 wurde „Der Aufruf an das deutsche Volk und die zivilisierte Welt“ in den wichtigsten Zeitungen Deutschlands, der Schweiz und Österreichs veröffentlicht. Dieser Aufruf hatte mehr als 250 Unterzeichner, Menschen, die aus der kulturellen und wirtschaftlichen Welt anerkannt waren, und obwohl er nicht den erwarteten Erfolg hatte, inspirierte er verschiedene Initiativen, die mit dem sozialen Wandel verbunden waren, wie die Waldorfpädagogik, die Camphill-Bewegung, das ethische Bankwesen und mehr.

„Phänomenologie, das ist das Ideal des wissenschaftlichen Strebens, das in der Anthroposophie vorliegt.“ (Steiner, GA 37a).

Die Phänomenologie ist die Lehre bzw. systematische Untersuchung der Erscheinungen, der Phänomene, wie sie sich der sinnlichen oder übersinnlichen Anschauung als unmittelbar Gegebenes darbieten. Goethe hat seine naturwissenschaftlichen Untersuchungen auf eine reine Phänomenologie gegründet und damit die Grundlagen für den Goetheanismus geschaffen. Als philosophische Strömung wurde die Phänomenologie nachhaltig von Edmund Husserl geprägt. Eine in den 1960er Jahren von Hermann Schmitz eingeführte und seitdem beständig weiterentwickelte Variante ist die Neue Phänomenologie.

Quelle: Anthrowiki

Der ethische Individualismus, dessen philosophische Grundlagen Rudolf Steiner schon in seinem 1894 veröffentlichten philosophischen Hauptwerk, der Philosophie der Freiheit, ausführlich besprochen hat, soll nach und nach die auf bloß traditionell überlieferte Wertvorstellungen und moralische Pflichten gegründete Ethik durch eine wahrhaft freie Sittlichkeit zur sittlichen Autonomie erweitern und später ganz ersetzen. Der ethische Individualismus gründet sich auf die individuelle Fähigkeit des Menschen, geistig-moralische Inhalte und Werte durch moralische Intuition autonom in einer gegebenen Situation frei und unabhängig von überlieferten Moralprinzipien zu erfassen bzw. neu schöpferisch hervorzubringen.


Quelle: Anthrowiki

Die geistige Qualität des Geldes, Eigentum von Land und Wirtschaft, Arbeit und Einkommen, Soziokratie, direkte Demokratie, assoziative Arbeit, fairer Preis, ethisches Bankwesen, Unternehmensverantwortung und Aktivismus.

Dreigliederung als Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit?

„Solch ein Gewimmel möcht ich sehn, auf freiem Grund mit freiem Volke stehn.“

– Johann W. von Goethe (Faust 2)

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Goetheanum

Die Freie Hochschule für Geisteswissenschaften ist zuständig für die spirituelle Forschung, für die Anregung und Bearbeitung praktischer Fragen und für die Weiterbildung in anthroposophisch orientierten Arbeitsfeldern. Heute ist die Hochschule in eine allgemeine anthroposophische Sektion und zehn Fachsektionen gegliedert. Die Arbeit baut auf dem geisteswissenschaftlichen Kurs auf, den Rudolf Steiner 1924 für die Angehörigen der Universität im Rahmen ihrer ersten Klasse gehalten hat. Die Hochschule hat ihren Sitz und ihre Koordinationsstelle am Goetheanum, und ihre Arbeit findet weltweit in den Kontexten statt, in denen die Angehörigen der Hochschule tätig sind.

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