Familien Festival

August 4 - August 7
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Goetheanum Westansicht (Sicht aus dem Felsli), Foto: Xue Li/Kommunikation am Goetheanum

Einladung zum Familien-Festival vom 4.-7.August 2022 am Goetheanum

Familie neu denken und selbstbestimmt leben

Familie? Wie geht das? Wie wollen wir zusammen leben? Nichts ist mehr festgelegt. Niemand möchte einfach in alten Bahnen und nach vorgegebenen Mustern leben. Wir wollen frei sein, selbstbestimmt, unser Schicksal ergreifen, die Welt erobern. Wir haben unsere Bestimmung mitgebracht. Sie liegt in uns – wie unsere Freiheit. Niemand kann uns vorschreiben, wie wir zu leben haben.

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So stehen wir heute in der Welt. Und doch wollen wir keine Einsiedler und Monaden sein, nicht alleine durchs Leben gehen. Eine Welt von Einzelgängern wäre kalt, fremd und öde. Sie bliebe unfruchtbar. Wir Menschen sind nicht Einzelgänger, sondern Beziehungswesen. Niemand kann auf Dauer alleine leben – und schon gar nicht alleine glücklich werden. Wir brauchen einander – so notwendig wie die Luft zum Atmen oder das Licht und die Nahrung zum Leben.

Erst recht brauchen uns die Kinder. Sie wollen und sie brauchen Gemeinschaft. Als Kaiser Friedrich II. vor 800 Jahren im Rahmen eines Experimentes Kinder ohne Ansprache und Zuneigung aufwachsen ließ, war das Ergebnis niederschmetternd: Alle starben. Er schrieb dazu: »Sie vermochten nicht zu leben ohne das Händepatschen und das fröhliche Gesichterschneiden und die Koseworte ihrer Ammen.«

Menschen am Felsli am Goetheanum, Foto: Francois Croissant

Je mehr die Individualisierung voranschreitet, je stärker heute die Kraft und der Wille zum selbstbestimmten Leben in jeder/m einzelnen wächst, desto dringender und größer wird die Aufgabe, das Zusammenleben bewusst und gut zu gestalten. Andernfalls bliebe nur noch eine Welt von gefühlskalten Ich-Lingen.

Damit stellt sich die Frage neu: Wie können und wie wollen wir Familie leben? Sie wird entscheidend – sowohl für unser Leben wie für die Zukunft des Lebens und der Menschheit überhaupt. Die Familie ist die Keimzelle des Lebens, die Urzelle menschlichen Zusammenseins. Sie schenkt uns die Hülle für den Leib, für das Leben und für die Seele. Von der Geburt bis zum Tod ist sie da, trägt und umgibt uns. Sie ist zugleich Geschenk, Schicksal und Aufgabe. Sie ist nichts fertig Vorhandenes, Gegebenes, sondern unsere eigene immer neu zu bildende Hervorbringung.

Gerade in der für viele Menschen höchst dramatischen Zeit der Pandemie konnten wir erleben, wie essenziell wichtig dieser engste persönliche Umkreis ist, dieser Raum, in dem wir einander stützen, begleiten und tragen, indem wir uns umeinander kümmern und füreinander da sind, in dem wir nacheinander schauen, uns Liebe, Zuwendung und Vertrauen schenken und uns an- und miteinander entwickeln.

Doch Familie kann uns nicht nur Entwicklung ermöglichen, sie kann sie auch verhindern. Sie kann zum Käfig, ja zur Hölle werden. Gar manche/r kennt das aus eigener Erfahrung. Manche/r hat auch deshalb Angst, eine Familie zu gründen, weil er/sie den eigenen Kindern nicht antun will, was ihr/ihm angetan wurde. Familie folgte früher festen Vorstellungen. Für den Mann, für die Frau – gab es genau vorgezeichnete Rollen. Was zählte, war nicht die eigene Weltsicht, nicht das eigene Lebensziel- und Glück, sondern die Erfüllung einer vom Staat, von der Kirche, von wirtschaftlichen Zwängen und von den Vorstellungen der Umwelt und der Verwandten bestimmten, vorgegebenen Struktur und Rolle. Diese Formen wurden lange noch von Generation zu Generation weitergegeben – in Form von Belehrungen durch die Alten, durch den Priester oder gerne auch durch Bücher, die die Partner über die Rollenverteilung innerhalb von Ehe und Familie und ihre eigenen Pflichten darin entsprechend ihrer geschlechtlichen Bestimmung minutiös belehrten.

Heute ist das zum Glück anders. Es gibt nicht mehr das eine, fixe Bild von Familie.  Die starre Form ist aufgebrochen, einst fest verteilte Rollen sind austauschbarer und durchlässiger geworden. Männer dürfen heute zart und verletzlich, Frauen selbstbewusst und bestimmend sein. Die Aufgaben- und Arbeitsteilung ist nicht vorgängig schon festgeschrieben, sondern kann frei verhandelt und verwandelt werden. Nicht jede Familie entspricht mehr dem herkömmlichen Schema Papa – Mama – Kind. Viele sind alleinerziehend, andere leben in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften oder in Patchworkfamilien, wieder andere wählen Groß- oder Mehr-Generationen-Familien, bilden Wohn- und Lebensgemeinschaften oder ziehen in Ökodörfer.

Es gibt keinen objektiven Maßstab, kein „richtig“ oder „falsch“ mehr. Nur noch die Frage: Welche Erfahrungen machen wir? Wie geht es uns und unseren Partner(inn)en? Was brauchen und was lernen wir? Was brauchen unsere Kinder?

Die Fragen sind größer und schwieriger geworden. Gerade weil es nicht mehr die eine, jahrhundertelang überlieferte, sondern immer mehr unterschiedliche Formen gibt, stellt sich heute weit drängender die Frage: Wie will ich leben? Oder: Wie kann ich frei und selbstbestimmt die eigene Aufgabe, meinen eigenen Weg im Leben finden – und doch auch Verbundenheit, Treue und Verlässlichkeit finden, erleben und weitergeben?

Vor allem unsere Kinder brauchen beides. Selbstbestimmte – und verlässliche Erwachsene. Wie können wir solche Verlässlichkeit miteinander leben, ohne einander dabei in das Gefängnis fester Erwartungen, moralischer Wertungen oder vorgeprägter Formen zu sperren? Können wir einander freilassen und stützen? Uns an- und miteinander entwickeln?

Diese und ähnliche Fragen wollen wir miteinander bewegen. Wir laden dazu im Sommer an das Goetheanum ein, in der schönsten Zeit, wenn der Park in Blüte steht und für Eltern wie Kinder einen wunderbaren Rahmen bildet für unser Familien-Festival am Goetheanum.

Gerald Häfner, Leiter Sektion für Sozialwissenschaften am Goetheanum

(für die Vorbereitungsgruppe)

 


Familien-Festival am Goetheanum

Wie wollen wir leben? –

Auf der Suche nach der Familie der Zukunft

 

Wir laden Euch ein zum Familien-Festival am Goetheanum vom 4.-7.August 2022!

 

Das Goetheanum und sein wundervoller Park stehen offen. Für Familien mit Kindern. Für das volle, pralle, große und kleine, traurige und schöne Leben. Für Ernst und Spaß, Tanz und Spiel – und für den Austausch über uns und unseren Weg – alleine, miteinander und mit den Himmelsgeschenken, die so viel fordern und noch mehr schenken: den Kindern.

Das Festival bietet Attraktionen für Klein und Groß. Kinder spielen während die Großen reden – wie auch umgekehrt. Es gibt Puppenspiel und Clowns, Musik und Tanz, Abenteuer und Geländespiele, Feuer und Wasser, Wiesen und Wald, Vorträge und Gesprächsgruppen für alle Generationen.

Menschen jeden Alters sitzen auf dem Felsli und lauschen der Musik, Foto: Francois Croissant

 

 

Vorläufiges Programm fürs Familien-Festival

Details

Start:
August 4
End:
August 7

Venue

Goetheanum
Rüttiweg 45
Dornach/Schweiz, Solothurn 4143 Switzerland
+ Google Map
Phone:
+41 61 706 42 42
Website:
https://www.goetheanum.org

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The School of Spiritual Science is responsible for research in the spiritual field, for stimulating and dealing with practical questions and for continuing education in anthroposophically oriented fields of work. Today the university is divided into one general anthroposophical section and ten specialist sections. The work is based on the course in the humanities held by Rudolf Steiner in 1924 for the members of the university as part of their first class. The university has its headquarters and coordination centre at the Goetheanum and its work takes place worldwide in the contexts in which members of the university are active.

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